
Hanna Ries
01.02.2026
Angststörungen und Angsterkrankungen – Symptome und Behandlung
„Es fühlt sich an, als würde mein Herz aus der Brust springen, und ich kann kaum atmen, fast wie ein Herzinfarkt“
„Ständig kreisen meine Gedanken, und ich male mir die schlimmsten Dinge aus.“
"Ich habe Angst vor der Angst"
So oder so ähnlich beschreiben Betroffene oft das Gefühl, wenn eine Angstattacke zuschlägt. Angststörungen sind weit verbreitet und beeinflussen Millionen von Menschen weltweit. Doch was genau steckt dahinter, und wie kann man diesen unsichtbaren Gegner bekämpfen? Der folgende Beitrag soll Ihnen dabei helfen, Angst besser zu verstehen und zu erfahren, was man dagegen tun kann.
Was ist Angst? Und ab wann ist Angst krankhaft?
Angst ist erst einmal ein natürliches Gefühl, eine Emotion, die jeder Mensch kennt. Sie schützt uns vor Gefahr und signalisiert uns, wann wir wachsam oder vorsichtig sein sollen. Wir brauchen Angst also, um zu überleben. Wenn eine gefährliche Situation vorbei ist, flacht die Angst meist wieder ab.
Doch was ist, wenn man einen Dauerzustand von Angst erlebt? Wenn man selbst in objektiv harmlosen Situationen starke Angst verspürt? Bei einer sogenannten Angststörung tritt das Gefühl der Angst ständig auf – vor allem dann, wenn es keinen objektiven Grund dafür gibt. Trotzdem ist es für Betroffene ein reales Gefühl: Sie spüren die Angst am ganzen Körper, können sie aber nicht mehr regulieren.
Betroffene ziehen sich oft zurück und isolieren sich, was zu einer Verstärkung der Symptome führen kann. Sie meiden Situationen, die ihnen Angst machen könnten. In manchen Fällen kann das dazu führen, dass der Alltag nicht mehr bewältigt werden kann oder die betroffene Person sogar arbeitsunfähig wird.
Ab wann spricht man von einer Angststörung?
Das können Symptome einer Angststörung sein
Angst äußert sich durch verschiedene Beschwerden und Symptome. Man kann sich zum Beispiel angespannt oder benommen fühlen. Weitere mögliche Angstsymptome sind Schwitzen, Zittern oder Herzklopfen. Außerdem leiden Betroffene häufig unter Verdauungsbeschwerden oder Muskelverspannungen. Auch die Angstgedanken sind ständig präsent und kreisen unaufhörlich.
Körperliche Symptome einer Angststörung
Wie bereits erwähnt, kann eine Angsterkrankung auch körperliche Beschwerden auslösen. Dazu gehören unter anderem Herzklopfen, Brustschmerzen bzw. Druck auf der Brust, Erstickungsgefühle, Schwindel, Zittern, Durchfall, Muskelverspannungen sowie Kopf- und Nackenschmerzen, die durch die dauerhafte Anspannung entstehen. Eine Angststörung ist also nicht nur psychisch, sondern wirkt sich auch stark auf den Körper aus.
Arten der Angststörung
Bei Angststörungen kann man zwischen verschiedenen Arten unterscheiden:
Angststörungen mit bewussten Auslösern (Phobien) | Angststörungen mit unbewussten Auslösern |
Bei manchen Angststörungen ist die Angst an spezifische Reize geknüpft, die man bewusst als bedrohlich wahrnimmt. | Bei anderen Angststörungen ist es so, dass die Ängste eher aufgrund unbewusster Auslöser losgetreten werden, bei denen die Angst nicht direkt zugeordnet werden kann. |
Beispiele für Phobien:
| Beispiele für andere Angststörungen:
Bei einer generalisierten Angststörung treten eher allgemeine Ängste und Sorgen auf, über die ständig gegrübelt werden, ohne dass es wirklich Gründe dafür gibt z.B. Angst vor einer schlimmen Erkrankung oder vor einem schlimmen Unglück. |
Quelle: Wittchen et al., 2011
Angststörungen und Depression
Ängste und Depressionen können häufig gemeinsam auftreten. Während depressiver Phasen leiden viele Betroffene verstärkt unter Zukunftsängsten, Versagensängsten oder der Angst vor Ablehnung. Oft entwickeln sich auch Ängste davor, unter Leute zu gehen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. In diesen Fällen treten die Ängste im Rahmen der Depression als Haupterkrankung auf.
In anderen Fällen ist es umgekehrt: Angststörungen können eine Depression auslösen. Menschen mit einer Angststörung ziehen sich oft zurück, fühlen sich nicht verstanden und sind dadurch in ihrer Alltagsgestaltung eingeschränkt. Diese Einschränkungen können zu Traurigkeit, Niedergeschlagenheit und depressiver Stimmung führen.
Es kann auch sein, dass sowohl Angst- als auch Depressionssymptome gleichzeitig vorliegen, ohne dass eine Erkrankung die andere verursacht. Die Symptome vermischen sich, sodass keine der beiden Erkrankungen eindeutig diagnostiziert werden kann. Die Behandlung sollte sich dennoch auf beide Problembereiche beziehen.
Welchen Pflegegrad hat man bei einer Angststörung und Depression?
Eine Angststörung zu haben bedeutet nicht automatisch, pflegebedürftig zu sein. Ein Pflegegrad wird immer abhängig von den Einschränkungen im Alltag und dem individuellen Unterstützungsbedarf festgelegt.
Allerdings kann eine Angststörung zur Einschränkung der Selbstständigkeit und damit auch zu einer Pflegebedürftigkeit führen. Die Pflegekassen stellt den Versicherten bei einem vorliegenden Pflegegrad verschiedene Unterstützungsleistungen zur Verfügung. Bei einer Angststörung können Pflegebedürftige beispielsweise Pflegegrad 1 oder Pflegegrad 2 erhalten – in Kombination mit anderen Erkrankungen erhöht sich der Pflegegrad. Je nach Pflegegrad können die Betroffenen unterschiedliche Leistungen und Unterstützungen beanspruchen.
Ursachen und Entstehung von Angststörungen
Es gibt viele verschiedene Ursachen und Auslöser für Angststörungen, die je nach Art der Störung variieren können. Häufig spielen jedoch folgende Faktoren eine Rolle:
Belastende oder traumatische Erlebnisse (z. B. Missbrauch, Gewalt, Trennung, Tod von Familie oder Freunden)
Anhaltender Stress und hohe Belastung im Alltag
Erlernte Verhaltensweisen aus dem Elternhaus (ängstliches Verhalten der Eltern kann sich auf Kinder übertragen)
Biologische Faktoren wie hormonelle Dysbalancen oder biochemische Ungleichgewichte im Gehirn
Genetische Faktoren, die die Entstehung von Angststörungen begünstigen
Behandlung von Angststörungen – Möglichkeiten der Therapie
Wenn Sie den Verdacht haben, an einer Angststörung zu leiden, vertrauen Sie sich jemandem an. Suchen Sie Ihren Hausarzt auf und/oder vereinbaren Sie einen Termin bei einem Psychotherapeuten. Angststörungen sind ernst zu nehmen und können das Leben von Betroffenen stark beeinträchtigen.
Angststörung mit Psychotherapie überwinden
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist eine der effektivsten Methoden. Sie hilft dabei, psychische negative Denkmuster zu erkennen und zu verändern.
Die Expositionstherapie unterstützt Betroffene, sich schrittweise angstauslösenden Situationen zu stellen.
Angststörung – Selbsthilfegruppen
Selbsthilfegruppen können für Betroffene eine wertvolle Anlaufstelle sein. Der Austausch mit Gleichgesinnten hilft, zu erkennen, dass man mit seiner Angst nicht allein ist. In einem geschützten Rahmen können Erfahrungen geteilt und hilfreiche Tipps ausgetauscht werden.
Behandlung einer Angststörung mit Medikamenten
Medikamente wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) oder Benzodiazepine können bei schweren Angststörungen helfen. Die Einnahme sollte jedoch stets unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
Weitere Formen der Behandlung einer Angststörung
Achtsamkeitstraining und Atemmeditation
Entspannungsverfahren
Yoga
Sport
Hypnose bei Angststörungen – was bringt sie wirklich?
Hypnose klingt für viele Menschen zunächst schwer greifbar und etwas diffus. Sie kann jedoch als therapeutisches Verfahren insbesondere bei Angststörungen unterstützend wirken. Einige klinische Studien zeigen, dass Hypnose bei Angststörungen positive Effekte haben kann. Voraussetzung ist ein ausgebildeter Therapeut, der diese Technik professionell anwendet. Durch Hypnose kann ein neuer Zugang zur Angst geschaffen werden, der zuvor im bewussten Erleben nicht zugänglich war. Das kann neue Wege im Umgang mit der Angst eröffnen.
Selbsthilfe bei Angststörungen
Neben einer professionellen Therapie, die durch Selbsthilfe nicht ersetzt werden kann, gibt es Maßnahmen, die helfen können, im Alltag besser mit Angst umzugehen:
Regelmäßiger Schlaf
Ausgewogene Ernährung
Bewegung
Ruhe und Entspannung
Unterstützung durch Freunde und Familie
Suchen Sie sich in jedem Fall Hilfe. Eine Angststörung ist behandelbar und lässt sich mit den genannten Behandlungsmöglichkeiten häufig gut in den Griff bekommen.
Flammer, Erich: „Die Wirksamkeit von Hypnotherapie bei Angststörungen“, unter: https://www.meg-stiftung.de/index.php/de/component/phocadownload/category/1-artikel?download=25:hypnose-zhh-0604-flammer
Prof. Dr. Revenstorf, Dirk: „Wissenschaftliche Anerkennung der Hypnotherapie“, unter: https://dgh-hypnose.de/cms-files/wissenschaftliche-anerkennung-der-hypnotherapie-revenstorf-1.pdf
Bandelow, B., Lichte, T., Rudolf, S., Wiltink, J., & Beutel, M. (Eds.). (2014). S3-Leitlinie angststörungen. Springer-Verlag.


