Vivien Szczepanski (Psychologie, B.Sc. )
30.01.2026
Das Leben mit dem Reizdarmsyndrom: Symptome und Hilfe
Reizdarm kann für die Betroffenen eine echte Herausforderung sein – sowohl körperlich als auch emotional. Die unangenehmen Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen und plötzliche Durchfälle tauchen oft unerwartet auf, was zu ständiger Sorge führt. Man fragt sich immer: „Wann kommt es wieder?“ Diese Unvorhersehbarkeit kann nicht nur den Alltag, sondern auch das soziale Leben stark beeinflussen. In diesem Artikel erfährst du mehr über die Reizdarm-Symptome und mögliche Behandlungsansätze.
Reizdarm – Was ist das?
Ein Reizdarm ist eine funktionelle Störung des Verdauungssystems, die besonders unter Stress verstärkt wird (8). Es ist eine weit verbreitete Magen-Darm-Erkrankung, von der Millionen Menschen weltweit betroffen sind. Es handelt sich dabei um eine Störung des Zusammenspiels zwischen dem vegetativen Nervensystem und der Darmmuskulatur (1). Oft verläuft die Erkrankung chronisch, was bedeutet, dass die Symptome entweder dauerhaft bestehen oder in Phasen auftreten können. Von einem Reizdarmsyndrom spricht man, wenn die Beschwerden länger als drei Monate anhalten, die Lebensqualität beeinträchtigen und andere mögliche Ursachen ausgeschlossen werden können (3). Obwohl die Krankheit sehr belastend ist, ist sie jedoch nicht gefährlich. Eine genaue Diagnose kann nur durch den Ausschluss anderer möglicher Ursachen gestellt werden (8).
Symptome bei einem Reizdarm: Wie merkt man, dass man einen Reizdarm hat?
Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen und Blähungen bei Reizdarm
Die Symptome des Reizdarmsyndroms sind vielfältig und können in ihrer Ausprägung stark variieren. Neben den typischen Beschwerden wie Verstopfung, Bauchschmerzen, Durchfall und Blähungen, berichten viele Betroffene auch von zusätzlichen Symptomen wie Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Erschöpfung. Oft ist auch der obere Verdauungstrakt betroffen, was sich in Appetitlosigkeit und Übelkeit äußern kann. Diese Beschwerden können zusammen mit Durchfall oder Verstopfung auftreten, wobei es durchaus möglich ist, dass sich beide Symptome abwechseln, entgegen der häufigen Annahme, dass sie separat vorkommen müssten. Je nach den vorherrschenden Symptomen unterteilen Ärzte das Reizdarmsyndrom in die unten beschriebenen vier Haupttypen (12).
01 Reizdarm Durchfall
Beim Durchfalltyp (RDS-D) haben Betroffene häufig sehr weichen oder flüssigen Stuhl und müssen oft mehrmals am Tag zur Toilette.
02 Reizdarm Verstopfung
Beim Verstopfungstyp (RDS-O) gibt es eher harten Stuhl und seltenen Stuhlgang – meist weniger als dreimal pro Woche.
03 Durchfall und Verstopfung abwechselnd
Der gemischte Typ (RDS-M) ist besonders wechselhaft: Hier treten sowohl Durchfall als auch Verstopfung auf, manchmal sogar am gleichen Tag.
04 Reizdarmsyndrom ohne Subtyp
Hierbei lässt sich das Krankheitsbild nicht klar einem der anderen Typen zuordnen.
Schleimiger Stuhl bei Reizdarm
Was viele nicht wissen: Schleim im Stuhl gehört ebenso zu den häufigsten Symptomen des Reizdarmsyndroms, das in einer Studie sogar an dritter Stelle stand. Überraschenderweise wird darüber aber selten mit einem Arzt gesprochen. Mehr als 55 % der Betroffenen berichteten, dass sie beim Stuhlgang Schleim bemerkt haben – sei es als weißlichen oder gelblichen Schleim im Stuhl, beim Abgang von Blähungen oder als Rückstand auf dem Toilettenpapier (6).
H3 Reizdarm: Symptome bei Frauen
Die Symptome des Reizdarmsyndroms variieren stark je nach Geschlecht und Alter der Betroffenen, was das Krankheitsbild noch komplexer macht (2). So sind Frauen doppelt so häufig betroffen wie Männer (1) und leiden häufiger unter Verstopfung und Blähungen, während Männer eher mit Durchfall zu kämpfen haben (3). Genetische Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle, da diese Erkrankung oft von Müttern auf ihre Töchter vererbt wird (10). Darüber hinaus kämpfen Frauen mit Reizdarm häufiger mit psychischen Begleiterscheinungen, wie intensiver innerer Anspannung oder Depressionen (11). Auch der weibliche Zyklus kann einen Einfluss auf die Symptome haben. Studien zeigen, dass besonders Blähungen vor und während der Periode verstärkt auftreten können (11). Dennoch lässt sich vermuten, dass nahezu jeder, der unter Reizdarm leidet, in irgendeiner Form eine Beeinträchtigung seiner Lebensqualität erfährt.
Was sind Ursachen von einem Reizdarm?
Es gibt viele Theorien zur Entstehung des Reizdarms, doch bislang sind nur wenige davon wissenschaftlich gesichert. Forscher haben jedoch verschiedene Veränderungen im Darm von Betroffenen festgestellt. Diese Veränderungen sind jedoch nicht nur bei dem Reizdarmsyndrom vorzufinden, sondern kommen auch bei anderen Erkrankungen wie chronischen Darmerkrankungen vor. Beispielsweise kann eine Magen-Darm Infektion mit starkem Durchfall das Entstehen des Reizdarmsyndrom begünstigen. Verantwortlich dafür sind bestimmte Bakterien wie Campylobacter jejuni. Allerdings lässt sich nur bei etwa einem von zehn Reizdarm-Fällen ein Zusammenhang mit einer vorangegangenen Infektion nachweisen (8).
Eine gestörte Darmflora kann ebenfalls zu Reizdarm beitragen. Wenn das natürliche Gleichgewicht der nützlichen Bakterien im Darm gestört wird, kann dies die Darmfunktion beeinträchtigen und die Bildung von Gasen verstärken. Ursachen für eine solche Dysbalance sind unter anderem die Einnahme von Antibiotika oder Magen-Darm-Infektionen (8). Die Einnahme von Probiotika kann in diesem Fall die Darmgesundheit bzw. die Darmflora unterstützen und verbessern (9).
Was ist das beste Mittel gegen Reizdarm und wie kriege ich den Reizdarm weg?
Obwohl oft keine klare Ursache für das Reizdarmsyndrom gefunden werden kann, da keine organische Erkrankung zugrunde liegt (1), gibt es dennoch verschiedene Ansätze, um die Beschwerden zumindest zu lindern. Da die Symptome bei jedem Betroffenen unterschiedlich ausgeprägt sind, gibt es keine einheitliche Therapie, die immer hilft.
Stattdessen empfehlen die aktuellen medizinischen Richtlinien (S3) ein multimodales Behandlungskonzept, bei dem Ernährungstherapie und Stressbewältigungsmaßnahmen individuell angepasst und gegebenenfalls durch Medikamente ergänzt werden (2).
Diät bei Reizdarm: FODMAP-arme Ernährung
Eine spezielle Diät, wie die FODMAP-arme Ernährung, kann den gereizten Darm effektiv beruhigen, indem sie potenziell reizende Kohlenhydrate meidet, die häufig in Süßwaren, Brot oder Kohl vorkommen. Diese Diät sollte jedoch nur unter ärztlicher Anleitung und nach einer klaren Diagnose angewendet werden, da sie in einigen Fällen, wie bei Allergien, sogar die Symptome verschlimmern kann. Da bei Reizdarm jeder Körper anders reagiert, gibt es keine universelle Ernährungsempfehlung. Bei Durchfall und Verstopfung gelten unterschiedliche Regeln. Allgemein helfen jedoch einige Tipps: Essen Sie langsam und in kleinen Portionen, trinken Sie ausreichend Wasser, meiden Sie fettige Mahlzeiten, Alkohol und Nikotin, und achten Sie auf regelmäßige Mahlzeiten zur gleichen Zeit. In dem Artikel zum Thema “Ernährung Reizdarm” erfahren Sie mehr zur idealen Ernährung bei Reizdarm.
Stressbewältigung: Entspannung und Yoga bei Reizdarm
Ein Reizdarm wird oft durch Stress oder körperliche und psychische Überlastung verschärft. Betroffene sollten darauf achten, ob Stresssituationen ihre Symptome verstärken, um diese anschließend zu vermeiden. Das Führen eines Tagebuches könnte hierbei hilfreich sein. Methoden wie gezieltes Stressmanagement, autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder spezielle Darm-Yoga-Übungen können dabei helfen, die Symptome zu lindern oder deren Auftreten zu verringern (8). Weitere Details zu Entspannungsverfahren bei Reizdarm findest du in einem separaten Artikel zu diesem Thema.
Die kaarloApp bietet außerdem eine gute Unterstützung für alle, die mit Stress und Reizdarm-Symptomen zu kämpfen haben. Die App enthält Tipps und Übungen zum Stressmanagement sowie verschiedene Entspannungsverfahren. Sie kann dir helfen, gezielt Strategien zu erlernen und umzusetzen, um deine Symptome zu lindern und dein Wohlbefinden zu steigern.
Reizdarm Hausmittel
Reizdarm-Beschwerden können oft auch mit einfachen Hausmitteln gelindert werden. Von bestimmten Tees wie Pfefferminz- oder Kamillentee bis hin zu ballaststoffreicher Ernährung und der richtigen Flüssigkeitszufuhr. Weitere Hausmittel und Ansätze findest Du ebenfalls in dem Artikel “Reizdarm Hausmittel”, wo die verschiedenen Optionen genauer erklärt werden.
(1) Reizdarmsyndrom: Behandlung, Ursachen und Symptome | NDR.de - Ratgeber - Gesundheit
(2) Reizdarm: Was sind die Symptome? - Reizdarm-Therapie
(3) Reizdarm: Symptome, Ursachen und Behandlung
(4) 10 Yoga-Übungen, die gegen Reizdarm helfen | digestio.de
(5) Yoga für den Darm - Tipps und Übungen
(6) Schleim im Stuhl: Solltest du dir Sorgen machen? - Reizdarm-Therapie
(7) Reizdarm: Helfen Hypnose, Meditation und Yoga? | NDR.de - Ratgeber - Gesundheit
(8) Was ist ein Reizdarm? - netDoktor.de
(10) Reizdarm-Symptome bei Frauen - Besser Gesund Leben
(11) Reizdarm: unter welchen Symptomen leiden Frauen? - CARA CARE
(12) Reizdarm – Symptome, Behandlung, Ernährung | Reizdarm.net



