Dr. med. Felix Sümpelmann

27.06.2026

Funktionelle Körperbeschwerden und Depression: Wenn Körper und Psyche sich gegenseitig beeinflussen

Hast du schon einmal körperliche Schmerzen oder Beschwerden erlebt, für die keine körperliche Ursache gefunden werden konnte?

Solche funktionellen Beschwerden wie anhaltende Schmerzen, Erschöpfung, Magen-Darm-Probleme oder Schwindel sind weit verbreitet und können das Leben stark beeinträchtigen. Auch bekannt unter somatoformen Störungen oder psychosomatischen Beschwerden. Interessant dabei ist, dass diese Symptome häufig mit psychischen Erkrankungen, insbesondere Depressionen, in Verbindung stehen (1).

Tatsächlich leiden rund 50 % aller Betroffenen mit funktionellen Körperbeschwerden unter einer weiteren psychischen Erkrankung – am häufigsten unter einer Depression. Es scheint also keineswegs untypisch zu sein, dass Depressionen und funktionelle Körperbeschwerden gemeinsam auftreten (1); (2). 


Depressionen auf einen Blick 

  • Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. 

  • Typisch sind anhaltende Traurigkeit, fehlender Antrieb und ein Gefühl innerer Leere. 
    Darüber hinaus können viele weitere Symptome auftreten. 

  • Sowohl belastende Lebensumstände als auch eine erbliche Veranlagung können die Entstehung begünstigen. 

  • Die Beschwerden bestehen über mindestens zwei Wochen und können sich über mehrere Monate hinziehen. 


Doch woran liegt das?

Wie genau die beiden Erkrankungen zusammenhängen können, erklären wir im Folgenden. 



Psychosomatik – die Verbindung zwischen körperlichen und psychischen Symptomen 


Die Psychosomatik beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen der Seele (Psyche) und dem Körper (Soma). Die psychosomatische Medizin stellt eine ärztliche Perspektive dar, die systematisch biologische, psychologische und soziale Einflussfaktoren auf die Entstehung, Auslösung und den Verlauf von körperlichen Erkrankungen und funktionellen Körpersyndromen untersucht und behandelt. Die psychosomatische Perspektive hilft uns somit zu verstehen, wie Depressionen und funktionelle Körperbeschwerden zusammenhängen (6). 


Depression als Auslöser körperlicher Symptome 


Bei einer Depression kommt es häufig zu chronischem Stress, der die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol erhöht. Diese dauerhafte Belastung kann entzündliche Prozesse im Körper fördern, was wiederum körperliche Symptome hervorrufen kann (4). Unteranderem kann eine Depression das Schmerzempfinden verändern: Betroffene nehmen Schmerzen teilweise intensiver wahr und konzentrieren sich stärker auf körperliche Beschwerden (5). 



Körperliche Symptome als Auslöser von Depression 


Chronische Beschwerden belasten nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Die ständige Schmerzbelastung oder Einschränkungen im Alltag können zu Frustration, sozialem Rückzug und einem Gefühl der Hilflosigkeit führen. Dies erhöht das Risiko, eine Depression zu entwickeln (1). 


Ein häufiger Teufelskreis zwischen Körper und Psyche 


Depressionen und funktionelle Körperbeschwerden verstärken sich häufig gegenseitig und bilden einen schwer zu durchbrechenden Teufelskreis (1): 

  • Negative Gedanken und eine erhöhte Körperwahrnehmung im Rahmen der Depression halten die Beschwerden aufrecht und verstärken sie. 

  • Die körperlichen Symptome wiederum beeinträchtigen die Lebensqualität so stark, dass Betroffene depressiv werden können. 


Die Bedeutung einer ganzheitlichen Behandlung 


Da sich Körper und Psyche gegenseitig beeinflussen, ist es wichtig, in der Behandlung sowohl die körperliche als auch die psychische Gesundheit zu berücksichtigen. Eine erfolgreiche Therapie sollte beide Aspekte einbeziehen. Nur so lässt sich der Teufelskreis durchbrechen und eine nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität erreichen (1); (3). 


Wie kann man Depressionen im Zusammenhang mit funktionellen Körperbeschwerden behandeln? 


Für eine erfolgreiche Behandlung ist es entscheidend, dass der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin erkennt, dass neben den körperlichen Beschwerden auch eine Depression vorliegt. Da dies – wie oben beschrieben – nicht selten der Fall ist, wird häufig eine Psychotherapie empfohlen, insbesondere mit Fokus auf die kognitive Verhaltenstherapie (4). Diese hilft dabei, negative Gedanken über die Beschwerden sowie ungünstige Verhaltensweisen (z. B. sozialer Rückzug oder Schonverhalten) zu verändern und positive Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Ziel ist es Beschwerden zu lindern sowie eine Reduktion der depressiven Symptomatik. Durch einen psychosomatischen Ansatz werden sowohl die körperlichen Symptome als auch die Depression gemeinsam behandelt. 


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Neben einer psychotherapeutischen Therapie können z. B. auch Schmerzmittel oder Entspannungstraining hilfreich sein. Ebenso können Psychopharmaka, etwa Antidepressiva, zur Reduktion der depressiven Symptome beitragen (4). Wichtig ist, sowohl die Depression als auch die körperlichen Beschwerden parallel zu behandeln, da sie sich gegenseitig beeinflussen. 


Von der Belastung zur Bewältigung: Hilfreiche Strategien und Tipps für Betroffene im Alltag 


Neben der notwendigen Behandlung der Depression im Rahmen einer Psychotherapie empfehlen Ärztinnen und Ärzte Betroffenen mit funktionellen Körperbeschwerden häufig folgende Maßnahmen (7): 

  • körperlich aktiv zu bleiben 

  • weiterhin am sozialen Leben teilnehmen, Freundinnen und Freunde treffen und Hobbys pflegen 

  • Überlastung erkennen und möglichst vermeiden 

  • beobachten, was die Beschwerden lindert 

  • auf einen gesunden Lebensstil achten und ausreichend schlafen 



  1. Hausteiner-Wiehle, C. & Henningsen, P. (2015). Kein Befund und trotzdem krank?: Mehr Behandlungszufriedenheit im Umgang mit unklaren Körperbeschwerden - bei Patient und Arzt. Schattauer Verlag. 

  2. Egloff, N., Schwegler, K. & Holtforth, M. G. (2018). Funktionelle Körperbeschwerden sind Alltag. Primary And Hospital Care Allgemeine Innere Medizin. https://doi.org/10.4414/phc-d.2018.01855 

  3. H.-U. Wittchen, Jürgen Hoyer et al, Klinische Psychologie & Psychotherapie, DOI  10.1007/978-3-642-13018-2_47, © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2011 

  4. Möller et al. (Hrsg.), Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie, Springer Reference Medizin, DOI 10.1007/978-3-662-49295-6_74  

  5. gesund.bund.de. (2021, 16. April). Depression: Symptome, Ursachen, Therapie. https://gesund.bund.de/depression#leben-und-alltag 

  6. Kapfhammer, H.-P. (2016, 30. Juni). Psychosomatosche Medizin - Einleitung und Übersicht. SpringerMedizin. 

  7. Funktionelle Körperbeschwerden: Behandlung. (o. D.). gesund.bund.de. https://gesund.bund.de/funktionelle-beschwerden 

Das Angebot ersetzt keine persönliche Beratung durch medizinische oder therapeutische Fachpersonen.

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