Christian Kiefer (Psychologie, B. Sc.)

04.03.2026

Hilfe bei psychosomatischen Beschwerden

Viele Menschen leiden im Laufe ihres Lebens unter körperlichen Beschwerden, deren Ursache zunächst unklar ist. Nach dem Arztbesuch folgt jedoch häufig Ernüchterung: Medizinisch scheint alles in Ordnung zu sein.

Genau diese Situation erleben viele Betroffene von psychosomatischen Beschwerden. Obwohl Symptome deutlich spürbar sind, lässt sich keine ausreichende organische Ursache finden.


Was sind psychosomatische Beschwerden?


Psychosomatische Beschwerden – in der Diagnostik auch somatoforme Störung oder funktionelle Körperbeschwerden genannt – bezeichnen körperliche Symptome, für die keine ausreichende organische Erklärung vorliegt.


Psychologische Faktoren spielen hierbei eine zentrale Rolle. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass die Beschwerden „eingebildet“ sind. Vielmehr handelt es sich um reale körperliche Reaktionen, die durch ein komplexes Zusammenspiel neurobiologischer, hormoneller und immunologischer Prozesse entstehen.


Die Symptome sind echt und gehen oft mit erheblichem Leidensdruck einher. Dennoch fühlen sich viele Betroffene nicht ernst genommen – insbesondere dann, wenn ärztliche Untersuchungen keinen Befund ergeben.


Dies kann im Alltag zu deutlichen Einschränkungen führen, etwa durch:

  • Konzentrationsprobleme

  • Erschöpfung

  • das Gefühl, sich ständig schonen zu müssen


Typische Symptome psychosomatischer Beschwerden


Die Ausprägung der Symptome kann sehr unterschiedlich sein. Häufig berichten Betroffene über:

  • anhaltende körperliche oder psychische Erschöpfung

  • Müdigkeit

  • Schwindel

  • Kreislaufprobleme

  • Magen-Darm-Beschwerden

  • Verdauungsstörungen


Auch Schmerzen treten häufig auf, insbesondere in Form von Rückenschmerzen oder Migräne.


Warum fühlen sich Betroffene oft nicht ernst genommen?


Mit den Beschwerden gehen häufig wiederholte Arztbesuche einher. Wird jedoch nach umfassender Diagnostik kein organischer Befund festgestellt, entsteht bei vielen Betroffenen große Verunsicherung, die sehr belastend sein kann.


Das subjektive Empfinden „Etwas stimmt nicht“ steht im Widerspruch zu den medizinischen Ergebnissen. Diese Diskrepanz kann das Gefühl verstärken, missverstanden oder nicht ernst genommen zu werden und eine enorme seelische Belastung werden.


Wenn organische Ursachen ausgeschlossen wurden, wird daher ein anderer Behandlungsansatz entscheidend – einer, der psychologische und körperliche Prozesse gemeinsam betrachtet. 


Hürden auf dem Weg zur Behandlung


Der Weg zur passenden Unterstützung ist jedoch oft mit Hindernissen verbunden:

  • Teilweise fehlt es an spezifischer Schulung im medizinischen Bereich, sodass lediglich Symptome behandelt werden, nicht jedoch die zugrunde liegenden Mechanismen.

  • Selbst wenn psychosomatische Beschwerden erkannt werden und eine Psychotherapie empfohlen wird, stehen Betroffene häufig vor langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz.


Gerade in dieser Phase bleibt der Leidensdruck oft bestehen – ohne unmittelbare Unterstützung. Es besteht die Gefahr, dass Betroffene durch den Leidensdruck und die fehlende Hilfe psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen entwickeln.


Digitale Unterstützung bei psychosomatischen Beschwerden: kaarlo


Aufgrund der Komplexität der Beschwerden werden unterschiedliche neue Behandlungsmöglichkeiten entwickelt, wie kaarlo: eine App zur digitalen Unterstützung bei psychosomatischen Beschwerden.


Die Inhalte basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie. Nutzerinnen und Nutzer lernen:

  • ihre Symptome besser zu verstehen

  • die zugrunde liegenden Prozesse zu erkennen

  • Strategien zur Bewältigung im Alltag anzuwenden


Ziel ist es, die bestehende Belastung zu reduzieren und die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.

Die App wird aktuell im Rahmen einer klinischen Studie in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf getestet und ist innerhalb dieses Studienrahmens kostenlos nutzbar.

Darüber hinaus ist sie bereits als Medizinprodukt zertifiziert und zugelassen.


Häufige Fragen zu Kaarlo

Wie läuft die Therapie mit kaarlo ab?


Nach der Eignungsprüfung – inklusive eines Einzelgesprächs mit einer psychologischen Psychotherapeutin – wird der Zugang zur App freigeschaltet.

Über den Zeitraum der sogenannten Kursreise erhalten Teilnehmende tägliche Lektionen und Übungen. Diese sind jederzeit abrufbar und flexibel in den Alltag integrierbar.


Was kostet die App?


Im Rahmen der aktuellen Studie ist die Nutzung der App kostenlos.


Ist eine Diagnose notwendig?


Ja. Für die Teilnahme wird eine Diagnose einer somatoformen Störung (ICD-10: F45) benötigt.

Die Expertinnen und Experten unterstützen bei der Orientierung und erläutern, wie diese Diagnose gestellt werden kann.



Quellen:


Schlicht, W. (2012). Seelische Gesundheit und sportliche Aktivität.


Nater, U. M., Ditzen, B., & Ehlert, U. (2020). Psychosomatische und stressabhängige körperliche Beschwerden. In Klinische Psychologie & Psychotherapie (pp. 1221–1235). https://doi.org/10.1007/978-3-662-61814-1_54


Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) (Hrsg.): ICD-10-GM Version 2024. Systematisches Verzeichnis. Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision. Köln: BfArM, 2023.


Gesundheitskasse, A.-. D. (2021, August 20). Somatoforme oder Psychosomatische Beschwerden: Was steckt dahinter? AOK - Die Gesundheitskasse. https://www.aok.de/pk/magazin/koerper-psyche/psychologie/somatoforme-oder-psychosomatische-beschwerden-was-steckt-dahinter/


Roenneberg C., Sattel H., Schaefert R., Henningsen P., Hausteiner-Wiehle C.: Clinical practice guideline: Functional somatic symptoms. Dtsch Arztebl Int 2019; 16: 553–60. DOI: 10.3238/arztebl.2019.0553


Lambert, M. (2026). Diagnostik und Therapie Somatoformer Störungen (ICD-10: F45) [Slide show]. Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Zentrum für Psychosoziale Medizin Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf (UKE). https://share.google/1hlr236Cr78CTMLL3

Das Angebot ersetzt keine persönliche Beratung durch medizinische oder therapeutische Fachpersonen.

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