Hanna Ries (Psychologie, M. Sc.)

28.08.2026

Experteninterview: Digitale Therapie – Was sie kann und wo Ihre Grenzen liegen 

Ein Experteninterview mit Psychologin Ceyda Sabah 


Therapie, die bequem von zu Hause aus stattfindet – das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Doch digitale Therapie macht genau das möglich. In einer Welt, die zunehmend vernetzt ist, bietet sie einen innovativen Zugang zu psychischer Gesundheit.


Egal, ob es um die Überwindung von Ängsten, Stressbewältigung oder die Behandlung von Depressionen geht – Apps, Videositzungen und Online-Plattformen eröffnen neue Wege, Hilfe flexibel und niederschwellig in Anspruch zu nehmen. Doch wie funktioniert digitale Therapie genau, und welche Vorteile bringt sie mit sich?  


Um diese Fragen zu beantworten, haben wir mit der Psychologin Ceyda gesprochen, die gerade in der Ausbildung zur Psychotherapeutin steckt und im Unternehmen kaarlo arbeitet, das digitale Psychotherapie anbietet.  


I: Was ist digitale Therapie eigentlich? 


C: Digitale Therapie heißt einfach, dass du Hilfe bekommst, über Apps, Online-Programme oder andere digitale Angebote. Das Ganze basiert auf wissenschaftlich geprüften Methoden und soll dir dabei helfen, mit deinen gesundheitlichen Problemen besser klarzukommen, ganz egal wo du bist und wann du Zeit hast. 



I: Und was sind so die Unterschiede zu einer klassischen Therapie würdest du sagen? 



C: Zuerst natürlich das Medium, bei der Online-Therapie erfolgt das ganze ja über den Computer oder das Handy, im klassischen Setting sitzt man sich persönlich gegenüber. Die digitale Therapie ist im Gegensatz zur klassischen Therapie viel flexibler was Ort und Zeit angeht, in der klassischen Therapie hat man eben immer einen fixen Termin in der Woche.


Auch wichtig ist das Thema Eigenverantwortung: In der digitalen Therapie machen die Patient:innen viel selbst und durchlaufen z.B. in einer App verschiedene Module oder machen Hausaufgaben zuhause. In der klassischen Therapie wird im direkten Setting mit therapeutischer Unterstützung zusammen etwas erarbeitet. Andererseits bietet die klassische Therapie natürlich viel intensiveren und persönlicheren Kontakt.  



I: Wie läuft eine digitale Therapie bei kaarloDoc und der kaarloApp ab? 



C: Bei kaarloDoc ist es so, dass wir psychologische Beratung anbieten und dabei einen Schwerpunkt auf psychosomatische Beschwerden legen. Das Ganze beginnt mit der Einschätzung und individueller Beratung durch Expert:innen.


Wir haben da auch unterschiedliche Modelle wie dann das ganze persönlich aufgebaut sein kann, das steht auch auf unserer Homepage




Bei der kaarloApp ist es so, dass es sich um eine App-basierte Therapie mit wissenschaftlich fundierten Übungen handelt, die hauptsächlich aus der Kognitiven Verhaltenstherapie stammen (KVT). Diese dienen der Unterstützung bei einer F45 Diagnose (Somatoforme Störungen), eben durch digitale Inhalte und Begleitung.  



I: Was sind die Vorteile und Nachteile von digitaler Therapie? 



C: Vorteile sind ganz klar die Flexibilität, dass man es zu jeder Zeit an jedem Ort machen kann. Dadurch, dass die Patient:innen in der App anonym sind, ist für viele die Hemmschwelle niedriger, sich auch anzumelden.


Viele haben ja immer noch Angst, zur Therapie zu gehen oder finden keinen Platz draußen, da kann so ein digitales Angebot wirklich helfen, dass sich Betroffene mehr trauen. Es ist zudem eine super Ergänzung, falls jemand schon eine ambulante klassische Therapie draußen hat, kann natürlich aber auch einfach so allein genutzt werden. Das Ganze lässt sich durch die Flexibilität eben super in den Alltag integrieren. 


Es gibt aber auch Nachteile, wie zum Beispiel der fehlende persönliche Kontakt. Viele wünschen sich jemanden, der ihnen zuhört, den sie sehen können, mit dem sie wöchentlich einen festen Termin haben und eine gute Beziehung aufbauen.


Außerdem kann eine digitale Therapie nicht jede Störung auffangen, wie z.B. schwere Erkrankungen wie Schizophrenie, schwere Depressionen mit akuter Suizidalität etc. Außerdem erfordert eine digitale Therapie viel Eigenverantwortung und Technikaffinität, was vor allem für manch ältere Patient:innen manchmal schwierig sein kann.  



I: Für wen eignet sich denn dann eine digitale Therapie? 



C: Am besten funktioniert das Ganze für Menschen, die moderate Beschwerden haben, wie z.B. psychosomatische Beschwerden. Eher schwierig wird es bei schweren Depressionen, Suizidalität, BipolarenStörungen oder Schizophrenie. Solche Menschen brauchen nochmal eine ganz andere, intensivere Betreuung.  

Gut ist es aber auch für Menschen, die vor allem flexibel in ihrer Behandlung sein wollen und bei Betroffenen, bei denen Prävention oder eine Ergänzung zur klassischen Therapie im Vordergrund stehen. Man muss da immer so ein bisschen individuell schauen, was da wie passt.  


Buche dir jetzt deinen Ersttermin bei KaarloDoc, um schnelle Hilfe zu bekommen! 
Hier erhältst du zeitnah ein Erstgespräch und kannst zusätzlich eine Online-Selbsttherapie per App nutzen – einfach, schnell und unkompliziert. 




I: Würdest du sagen, dass digitale Therapie die Zukunft ist? 


C: Es ist auf jeden Fall ein wichtiger Bestandteil der Zukunft, vor allem, weil ja alles immer digitaler wird. Es erleichtert den Zugang zu therapeutischer Hilfe, was sehr gut ist. Es ergänzt die klassische Therapie und ist super als Präventionsmaßnahme oder als Frühintervention, aber ganz wichtig: Es kann die klassische Therapie nicht ersetzen. Der persönliche Kontakt ist immer noch superwichtig und sollte nie verloren gehen.  



I: Super, vielen Dank dir! 



C: Sehr gerne! 




Das Angebot ersetzt keine persönliche Beratung durch medizinische oder therapeutische Fachpersonen.

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